rosa schwein  

Gravensteiner

 

 

 


Heimath und Vorkommen: Er stammt aus Schleswig und ist von Gravenstein über ganz Norddeutschland verbreitet, kommt aber auch in Norwegen, Schweden und Süddeutschland vor. Schon auf der ersten Versammlung deutscher Pomologen und Obstzüchter zu Naumburg im Jahre 1853 wurden seine Vorzüge hervorgehoben und er zum allgemeinen Anbau empfohlen, er zählt zu den verbreitetsten und beliebtesten Aepfeln Deutschlands. Literatur und Synonyme: 1. Gravensteiner (Diel, Kernobstsorten, 1806, VIII. S. 8). 2. Grave Stige (Thompson, Catalogue of fruits cultivated in the garden of the horticultural Society of London, 1842, No. 297). 3. Calville Gravenstein (Henneau, Annales de pomologie belge et étrangère, 1854, II. S. 109). 4. Pomme de Gravenstein (André Leroy, Dictionaire de pomologie No. 189). 5. Gravensteiner (Illustrirtes Handbuch No. 8). Gestalt: grosser, etwa 75 mm. breiter, 75 mm. hoher, meist hoch- oft auch flach kugelförmiger Apfel; der Bauch sitzt etwas nach dem Stiele zu und nimmt nach dem Kelche zu stärker ab. Schöne Rippen gehen calvillenartig, flach über die Frucht hin. Kelch: gross, offen, selten halbgeschlossen; Blättchen grün, wollig, ziemlich breit und lang, aufrecht mit nach aussen gebogenen Spitzen. Kelcheinsenkung tief und weit, mit ungleichen, oft auch regelmässigen Falten, die sich über die Frucht hinziehen und flache Rippen bilden. Stiel: kurz, holzig, stark, nicht oder nur wenig über die weite, trichterförmige, oft etwas berostete Stieleinsenkung hinausragend. Schale: fein, glänzend, fettig sich anfühlend, lagerreif fast goldgelb, auf der Sonnenseite mehr oder weniger karmoisinroth gestreift, marmorirt, gefleckt und punktirt, Schalenpunkte kaum sichtbar; Rost findet sich nur selten um Stiel und Kelch. Fleisch: gelblich weiss, locker, weich, saftig, von stark gewürzhaftem, ananasartigem, ausgezeichnetem Geschmack. Geruch stark gewürzhaft. Kernhaus: hohlachsig, Fächer verhältnissmässig sehr gross, geöffnet, aufgerissen, rundlich ovale, lang zugespitzte, braune Samen enthaltend; der durch die Gefässbündel umgrenzte Theil des Fleisches zwiebelförmig, stielwärts spitz abgerundet, kelchwärts sanft zugespitzt. Kelchröhre trichterförmig, tief hinabgehend, allmälich sich verschmälernd, Staubfäden ziemlich tief entspringend. Reife und Nutzung: eine ganz ausgezeichnete Frucht für die Tafel und zu allen wirtschaftlichen Zwecken brauchbar; zur Bereitung von Apfelmus kenne ich keine bessere Frucht. Sie reift Ende September und hält sich bei guter Aufbewahrung, in Papier gewickelt und in Tonnen verpackt, bis Neujahr. Auf dem Obstmarkt wird sie am besten bezahlt; das meiste Aroma haben die Früchte in Norddeutschland; im. Süden, in Frankreich und Belgien fand ich sie meistens ohne Gewürz. Eigenschaften des Baumes: er wächst ungemein kräftig, wird gross, bildet umfangreiche Kronen, trägt bei seinem starken Wuchse zwar erst spät, dann aber reichlich. Er ist gegen rauhes Klima nicht empfindlich und gedeiht noch im hohen Norden, ist auch bezüglich des Bodens nicht wählerisch, wenn er nur feucht genug ist. Im Sommer verlangt er viel Wasser, in trockenem Boden fallen die Früchte leicht ab. Die Sommertriebe sind stark, braunroth, wollig, stark punktirt; Blüthenaugen sehr gross, wollig, abgestumpft kegelförmig; Holzaugen kurz, spitz, etwas wollig, anliegend; Blätter gross, eilanzettlich, stumpf gesägt, auf der Oberfläche glänzend grün, auf der Unterfläche weissfilzig. Die röthlichen Blumen sind sehr gross und nicht empfindlich. Blattstiele kurz, kräftig, röthlich angelaufen; Afterblätter linienförmig, lang. Zur Bepflanzung der Strassen eignet er sich wegen seiner flachen Kronenbildung und der verlockenden Früchte nicht; ebensowenig eignet er sich bei seinem kräftigen Wuchse zu Cordons; Pyramiden und Palmetten tragen zwar erst im 5. bis 6. Jahre, bringen dann aber prachtvolle, grosse Früchte, wenn man es im Sommer nicht an einem kräftigen Düngerguss fehlen lässt.

Diel I. 1; Luc. I. 3 a; Hogg. II. 2. A. ** ! †† Herbst, Winter.