rosa schwein  

Königlicher Kurzstiel

 

 

 


Heimath und Vorkommen: eine alte, sehr verbreitete Frucht, die schon Bauhin im Jahre 1613 erwähnt, über deren Ursprung aber nichts Genaueres bekannt ist. Diel erhielt sie aus Holland und ist sie in Deutschland, Belgien, Frankreich und Amerika sehr verbreitet. In Gotha wurde sie im Jahre 1857 von der allgemeinen Versammlung deutscher Pomologen zur Anpflanzung empfohlen, ebenso in Potsdam im Jahre 1877 zur Erziehung als Pyramide und Horizontal-Cordon. Literatur und Synonyme: 1. Court-Queue (J. Bauhin, avant 1613, Historia plantarum universalis, edition posthume de 1651 I. S. 21). 2. Court-pendu dur (le Lectier d'Orleans, Catalogue des arbres cultivés dans son verger et plant, 1628, S. 24). 3. Courtpendu plat (Lindley, Guide to the orchard and kitchen garden, 1831, S. 43, No. 80). 4. Königlicher rother Kurzstiel (Diel, Kernobstsorten, 1804, VI. S. 146). 5. Court-pendu rouge (André Leroy, Dictionaire de pomologie, No. 123). 6. Königlicher Kurzstiel (Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, No. 68). Gestalt: mittelgrosser, etwa 75 mm. breiter, 50 mm. hoher, meistens plattgedrückter Apfel; der Bauch sitzt in der Mitte und flacht sich nach Kelch und Stiel gleichmässig ab. Kelch: offen, selten halboffen; Blättchen grün, wollig, ziemlich breit und lang, mit nach aussen gebogenen Spitzen; Kelcheinsenkung flach, weit ausgeschweift, mit feinen Falten umgeben. Stiel: kurz, dick, selten über die tiefe, trichterförmige, fein berostete Stieleinsenkung hervorragend. Schale: etwas rauh, vom Baume blassgrün, in der Lagerreife goldgelb, auf der Sonnenseite, oft aber auch über die ganze Frucht carmoisinroth gestreift, marmorirt und verwaschen. Gelbgraue, feine Rostpunkte zeigen sich auf der ganzen Frucht und treten namentlich auf der Röthe hervor; feiner Rost erscheint häufig um Kelch und Stiel. Fleisch: gelblich weiss, fein, von edlem, eigenthümlichem, gewürzhaftem Reinettengeschmacke. Kernhaus: hohlachsig, Fächer klein, rundlich, gut entwickelte, rundlich ovale, kurz zugespitzte Samen enthaltend. Der durch die grünlichen Gefassbündel umgrenzte Theil des Fleisches flach zwiebelförmig, stielwärts herzförmig kelchwärts scharf zugespitzt. Kelchröhre kurz trichterförmig, durch Fleischbeulen verengt, Staubfäden beinahe am Grunde entspringend. Reife und Nutzung: vorzüglicher Tafel- und Wirthschaftsapfel; zum Dörren, in der Küche und zu Cider zu gebrauchen. In trockenen Jahren welkt der Apfel leicht; seine Lagerreife beginnt im Dezember und dauert die Frucht bis zum März. Eigenschaften des Baumes: der Baum wächst mässig, bildet eine rundliche Krone, blüht von allen Aepfeln mit am spätesten, weshalb die Blüthen selten von Frühjahrsfrösten leiden. Sommertriebe mittelstark, kurz, grünlichbraun, etwas wollig, zerstreut punktirt. Fruchtaugen rundlich, wollig; Holzaugen kurz, stumpf, anliegend. Blätter klein, oval, die stark gezähnten Ränder aufwärts gebogen, auf der Oberfläche dunkelgrün, auf der Unterfläche grasgrün, wollig; Blattstiel stark, nicht lang, röthlich; Afterblätter lang, linienförmig. Der Baum gedeiht in allen Lagen, ist bezüglich des Bodens nicht wählerisch, wenn er nur nicht zu trocken ist und giebt auf Johannisstamm veredelt, schöne, fruchtbare Pyramiden und Palmetten. Da sich die Krone schön kugelförmig baut, der Baum spät blüht, die Früchte festsitzen und am Baum kein lachendes Aeussere haben, so verdient er recht häufig an Landstrassen, selbst in rauhen Lagen angepflanzt zu werden. Palmetten und Pyramiden trugen in der Königlichen Gärtner-Lehranstalt jährlich; die Früchte waren besonders schön ausgebildet. Ich entspitzte im Mai die seitlichen Triebe, goss im August einige Male mit kalihaltigem Dünger, schnitt die Triebe im September auf vier Augen zurück, und bei günstiger Witterung bildeten sich diese mit wenigen Ausnahmen schon im ersten Jahre zu Fruchtaugen aus.

Diel IV. 4; Luc. XII. 2. a; Hogg. III. 1. B. ** ! †† Winter.